Business-Software
Google Analytics vs. Matomo: Was ist besser?
Zwei Werkzeuge, zwei Grundannahmen: Das eine rechnet hoch, das andere zählt. Woran die Entscheidung tatsächlich hängt.
- 2
- Betriebsarten bei Matomo
- 14 Mon.
- Standardaufbewahrung in GA4
- 0 €
- Lizenzkosten bei Matomo On-Premise
Der Vergleich wird meist auf „Datenschutz gegen Funktionsumfang“ verkürzt. Das trifft die Sache nur halb. Der grundlegendere Unterschied liegt im Messmodell: Google Analytics 4 modelliert fehlende Daten und liefert eine Schätzung des Gesamtbildes. Matomo zählt, was tatsächlich erfasst wurde. Beides ist verteidigbar, aber es führt zu verschiedenen Zahlen und zu verschiedenen Arbeitsweisen.
Was Matomo ist
Matomo ist eine Webanalyse-Software, die in zwei Formen betrieben wird. Selbst gehostet läuft sie auf Ihrem eigenen Server, die erfassten Daten verlassen Ihre Infrastruktur nicht. Als Cloud-Angebot läuft sie beim Anbieter, mit Rechenzentren in der EU. Die Kernversion ist quelloffen; Erweiterungen wie Heatmaps oder Sitzungsaufzeichnungen kosten extra.
Für Behörden, Arztpraxen, Kanzleien und alle, die eine Datenschutz-Folgenabschätzung führen müssen, ist die selbst gehostete Variante oft der einzige Weg mit vertretbarem Begründungsaufwand.
Die Unterschiede im Einzelnen
| Kriterium | Google Analytics 4 | Matomo |
|---|---|---|
| Datenhoheit | Daten liegen bei Google | Bei Ihnen oder in der EU-Cloud |
| Messmodell | ereignisbasiert, mit Hochrechnung | ereignis- und seitenbasiert, ohne Hochrechnung |
| Betrieb ohne Cookies | eingeschränkt möglich | vorgesehen, mit Einbußen bei Wiedererkennung |
| Rohdatenzugriff | über Datenexport, teils kostenpflichtig | direkter Datenbankzugriff bei Eigenbetrieb |
| Aufbewahrung | standardmäßig 14 Monate | frei festlegbar |
| Verbindung zu Werbekonten | eng, ein wesentlicher Vorteil | über Schnittstellen, aufwendiger |
| Kosten | kostenlos bis zu hohen Volumina | Server- und Pflegeaufwand oder Cloud-Gebühr |
| Einarbeitung | steil, das Datenmodell ist gewöhnungsbedürftig | flacher, Berichte näher am klassischen Aufbau |
Gemeinsamkeiten
Beide messen Seitenaufrufe, Herkunft, Geräte und Zielabschlüsse. Beide lassen sich über einen Tag-Manager einbinden. Beide erlauben serverseitige Erfassung, um Werbeblocker zu umgehen – mit demselben Preis, dass die Einrichtung Aufwand kostet und der Datenschutzhinweis dadurch nicht kürzer wird.
Merksatz: Der häufigste Fehler ist nicht die Werkzeugwahl, sondern die fehlende Definition dessen, was gemessen werden soll. Wer nicht festgelegt hat, was ein Erfolg ist, bekommt von beiden Systemen dieselbe Antwort: viele Zahlen ohne Konsequenz.
Vor- und Nachteile von Matomo
Dafür spricht: Die Daten gehören Ihnen und lassen sich beliebig lange aufbewahren. Der Betrieb ohne Einwilligungsdialog ist in einer sauber konfigurierten Fassung darstellbar, was die gemessene Reichweite erhöht, weil kein Anteil der Besucher durch Ablehnung verloren geht. Es gibt keine Stichprobenbildung.
Dagegen spricht: Bei Eigenbetrieb tragen Sie Aktualisierungen, Sicherung und Ausfälle. Die Verbindung zu Werbeplattformen ist umständlicher. Wer Google Ads intensiv nutzt, verliert Auswertungsmöglichkeiten, die in GA4 eingebaut sind.
Welches Werkzeug zu welcher Lage passt
- Sie schalten regelmäßig Google Ads. Dann spricht viel für GA4, weil Zielabschlüsse ohne Umweg in die Gebotssteuerung zurückfließen.
- Sie verarbeiten sensible Daten oder arbeiten im öffentlichen Bereich. Dann ist selbst gehostetes Matomo der Weg mit dem geringsten Begründungsaufwand.
- Sie brauchen Rohdaten für eigene Auswertungen. Matomo mit Datenbankzugriff, oder GA4 mit angebundenem Datenlager.
- Sie haben niemanden für den Betrieb. Dann GA4 oder Matomo Cloud – ein nicht aktualisiertes selbst gehostetes System ist ein Sicherheitsproblem.
Beim Wechsel zu beachten
- Historische Daten lassen sich nicht übertragen. Exportieren Sie vor der Abschaltung die Berichte, auf die Sie sich später berufen wollen.
- Legen Sie eine Überlappungsphase von zwei bis drei Monaten mit beiden Systemen an, um die Abweichung zu kennen.
- Definieren Sie Zielabschlüsse im neuen System neu, statt sie zu übersetzen. Die Datenmodelle sind zu verschieden.
- Passen Sie den Datenschutzhinweis an, bevor das neue System scharf geschaltet wird.
Welche Zahlen anschließend überhaupt eine Entscheidung tragen, behandelt Welche Metriken zählen wirklich. Für die Frage, warum Besucher abspringen, ergänzen Heatmaps die Zahlen, und Veränderungen prüfen Sie mit A/B-Tests.
Häufige Fragen
Ist Matomo automatisch DSGVO-konform?
Warum weichen die Zahlen beider Werkzeuge voneinander ab?
Kann man beide parallel betreiben?
Was kostet Matomo?
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